Buchstabenwerkstatt

Die BUCHSTABENWERKSTATT in der 1. Klasse

Die Deutschstunden in der 1. Klasse, in denen sich die Kinder mit dem Erlernen von Lesen und Schreiben, mit richtigem Schreiben und auch schon etwas Grammatik beschäftigen, nenne ich Buchstabenwerkstatt.

Zentrale Merkmale

  • Bei meinem Erstschreib- und Erstleseunterricht steht die Kombination von einem lautorientierten Ansatz (mit Anlauttabelle) und der Silbenmethode im Mittelpunkt. Nur vereinzelt werden Wörter auch als Gesamtbild erfasst, z. B. dann, wenn es um das schnelle Wiedererkennen von Namen geht.
  • Der lautorientierte Ansatz stellt die Buchstaben-Laut-Beziehung in den Mittelpunkt. Mithilfe einer Anlauttabelle lernen die Kinder die einzelnen Laute für die Buchstaben kennen und sie mit passenden Bildern zu verbinden (z. B. „A“ wie „Ameise“). Der Ansatz unterstützt ein eigenständiges Entdecken der Buchstaben. Die Kinder können mithilfe der Anlauttabelle relativ früh eigene Wörter verschriften („lautgetreues Schreiben“). Dies fördert die Selbstständigkeit und das Gefühl, sich die Schrift zu „erobern“.
  • Bei der Silbenmethode geht es um Silben als Bausteine von Wörtern. Sie nutzt die natürliche Sprachrhythmik. Die Kinder lernen, Wörter in Silben zu zerlegen und sie dadurch leichter zu schreiben und zu lesen.
  • In den ersten beiden Monaten nach Schulbeginn bereite ich die Schüler*innen im Klassenverband auf das Arbeiten in der Buchstabenwerkstatt vor. (siehe Artikel: Vorbereitung Buchstabenwerkstatt (VorBW))
    Nach zahlreichen Übungen zur Anlauttabelle und zum Gliedern von Wörtern in Silben, zum Aufschreiben und Lesen von ersten Wörtern nach Anlautbildern und der gemeinsamen Erarbeitung der Vokale A E I O U dürfen die Kinder dann in ihrem eigenen Tempo weiterarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt haben sie bereits etliche Übungsformen kennengelernt und sich eingeprägt, die sich nun in der Buchstabenwerkstatt wiederholen werden.
  • Für die Buchstabenwerkstatt erhält jedes Kind einen genauen Arbeitsplan, in welcher Reihenfolge die Buchstaben zu lernen sind. Außerdem muss es jede der sechs Übungen zu dem jeweiligen Buchstaben der Lehrkraft zur Kontrolle vorlegen und im Plan abhaken, sobald es sie erledigt hat.
  • Die Schreib- und Leseübungen sind differenziert. Wer die Buchstaben neu kennenlernt, schreibt kurze, lautgetreue Wörter und macht die Leseübungen mit einzelnen einfachen Wörtern und kurzen Sätzen. Kinder, die schon etliche Buchstaben kennen, schreiben längere, lautgetreue Wörter und lesen diese sowie kurze Sätze. Kinder, die schon alle Buchstaben kennen, schreiben lange, nicht immer lautgetreue Wörter und kleine Sätze. Sie lesen dann kurze Texte oder auch ganze Bücher.
  • Das notwendige Material befindet sich im Klassenraum, sodass jedes Kind es sich selbst holen kann.
  • So kann jede/r während der Buchstabenwerkstattstunden selbstständig in ihrem/seinem Tempo und entsprechend ihren/seinen Fähigkeiten arbeiten.
  • Besonders am Anfang ist diese offene Art des Lernens eine Herausforderung, sowohl für die Lehrkraft als auch für die Schüler*innen. Es dauert einige Zeit, bis sich alles eingespielt hat.
  • Angesichts dessen hatte ich in der Buchstabenwerkstatt von Beginn an immer eine Person, Praktikant*innen oder auch Eltern, zur Unterstützung mit im Klassenzimmer. Nach und nach bekommen die Kinder Routine beim selbstständigen Arbeiten. Im weiteren Verlauf des Schuljahres bleibt meist nur noch eine kleine Gruppe von Kindern, die auf die Hilfe der Lehrkraft angewiesen ist.