Texte verfassen 1
Der Lernbereich TEXTE VERFASSEN im Deutschunterricht der 1. Klasse
Das Verfassen von Texten in der 1. Klasse legt den Grundstein für eine kreative und selbstbewusste Schreibkultur.
Ziele des Lernbereichs
- Die Kinder entdecken die Möglichkeiten der Schrift, um eigene Erlebnisse, Fantasiegeschichten oder auch Beobachtungen zu Papier zu bringen.
- Bereits in der ersten Klasse soll die Freude am Schreiben gefestigt werden, die für die weitere Entwicklung der Schreibkompetenz von großer Bedeutung ist.
Zentrale Merkmale
„Idee des individuell bedeutsamen Schreibens“ nach Beate Leßmann
- Für meinen Unterricht im Bereich „Texte verfassen“ habe ich einige Ideen von Beate Leßmann übernommen. (siehe: Handbuch „Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben“ von Beate Leßmann, zu finden auf der Webseite: www.beate-lessmann.de)
- Ihr Konzept zum Schreibenlernen in der 1. Klasse der Grundschule basiert auf der Idee des individuell bedeutsamen Schreibens.
- Die Kinder verfassen von Anfang an eigene Texte zu Themen, die sie persönlich interessieren und bewegen.
- Dies geschieht in regelmäßigen Schreibzeiten, in denen die Schülerinnen und Schüler frei schreiben können.
- Die Lehrkraft begleitet diesen Prozess beratend und unterstützt die Kinder individuell bei der Entwicklung ihrer Texte (Schreibberatung).
- Dieser Ansatz fördert die Schreibmotivation und stärkt die Selbstwirksamkeit, d.h. den Glauben an die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, Hindernisse überwinden und positive Ergebnisse erzielen zu können. So bildet er die Grundlage für eine nachhaltige Schreibkompetenzentwicklung.
Abwechslungsreiche Schreibanlässe
- Zunächst benötigen die meisten Kinder noch Schreibimpulse. Dazu dient z. B. ein Kinderbuch, das die Lehrkraft vorliest und zu dem sie schreiben und malen, jedes Kind entsprechend seinen Fähigkeiten. Oder man lässt sie aus kleinen Bildern auswählen, die sie auf ihr Geschichtenblatt aufkleben und zu denen sie etwas zu Papier bringen können.
- In den ersten „Geschichtenstunden“ meiner Klasse z. B. dienen die Selbstlaute als Schreibimpuls. Die Kinder suchen in Gruppen Wörter zu dem jeweils aktuell erlernten Selbstlaut, notieren diese mithilfe der Anlauttabelle und gegenseitiger Beratung und Unterstützung auf einem Plakat und malen kleine Bilder dazu. Das ist eine Vorübung für spätere Schreibkonferenzen (= kleine Gruppen, in denen Kinder gemeinsam an ihren Texten arbeiten, sich gegenseitig beraten und voneinander lernen). Anschließend denken sich die Kinder in der Gruppe eine Geschichte mit den gefundenen Wörtern aus, üben sie mündlich ein und tragen sie dann der Lehrkraft vor. Diese zeichnet die Geschichte auf und spielt sie der ganzen Klasse im Sitzkreis zu Beginn der nächsten Geschichtenstunde vor.
- Entsprechende Schreibimpulse erhalten die Kinder das ganze Schuljahr über, wenn sie mit einem Text fertig sind und eine neue Aufgabe suchen. Sie können aber jederzeit entscheiden, sich selbst ein Thema zu wählen und zu diesem ihre Gedanken zu notieren.
Individuelle Förderung
- Zu Beginn der ersten Klasse haben die Kinder unterschiedliche Kenntnisse über Buchstaben und Laute. Einige können nur ihren eigenen und die Namen anderer Familienmitglieder schreiben. Etliche verschriften darüber hinaus schon einfache, kurze Wörter lautgetreu.
- Das Bilden von ganzen Sätzen stellt für viele Kinder einen großen Entwicklungsschritt dar. Wenige verfügen bereits über einen Schreibwortschatz, der ihnen erlaubt, kurze Texte zu Papier zu bringen.
- Angesichts dessen beginnen alle meine Erstklässler erst nach zwei Monaten ab Schulbeginn mit „Geschichtenstunden“. Wer jedoch schon zu Schulanfang ganze Sätze oder kleine Texte schreiben kann, darf das gerne tun, wenn er/sie Zeit und Lust dazu hat. Und er/sie kann seine/ihre Geschichten den anderen im Morgenkreis präsentieren.
- In jeder „Geschichtenstunde“ schreiben die Kinder, wahlweise alleine oder mit einem Partner. Schwächere Kinder bevorzugen es oft, mit einem anderen Kind zusammenzuarbeiten. Durch das gemeinsame Schreiben sind sie motiviert, äußern ihre Ideen und lernen von den Partnern dazu.
- Jeder schreibt entsprechend seiner Fähigkeiten: Manche Geschichten bestehen aus einzelnen Wörtern und Bildern, andere aus einem Satz und wieder andere sind schon kurze Texte.
Wertschätzende Rückmeldungs- und Fehlerkultur
- Ist ein Text fertig, beraten Kind(er) und Lehrkraft gemeinsam, ob und wie es (sie) etwas verbessern könnte(n).
- Korrekturen von Rechtschreibung oder Grammatik erfolgen sehr sensibel, damit die Freude am Schreiben nicht durch übermäßigen Druck getrübt wird.
- Die Kinder präsentieren ihre Texte schließlich im Sitzkreis. Das Präsentieren vor der Klasse oder in Kleingruppen erhöht die Anerkennung untereinander und zeigt, dass Texte einen kommunikativen Wert haben.
- Jeder Zuhörer, der möchte, darf anschließend äußern, was ihr/ihm an der Geschichte gut gefallen hat oder aufgefallen ist. Das Lob für gelungene Ideen, fantasievolle Formulierungen oder eine schöne Illustration stärkt das Selbstvertrauen und weckt die Lust, weiterzuschreiben. Diese Praxis fördert nicht nur die Schreibkompetenz, sondern auch soziale Fähigkeiten wie Zuhören, Feedback geben und Empathie.
- Dies ist eine Vorstufe der späteren „Autorenrunde„, eines weiteren zentralen Elements in Beate Leßmanns Konzept. (siehe: Handbuch „Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben“ von Beate Leßmann, zu finden auf der Webseite: www.beate-lessmann.de)
- In diesen „Autorenrunden“ erforschen wir im Laufe des Schuljahres nach und nach die „Schreibgeheimnisse“ (siehe: Handbuch „Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben“ von Beate Leßmann, zu finden auf der Webseite: www.beate-lessmann.de)
- Fragen wie „Was hat dir gut gefallen?“ und „Warum ist die Geschichte wohl so gut gelungen?“ führen zum Entdecken von Schreibstrategien, die die Kinder in einem ihrer nächsten Texte anwenden können.
- Enthüllte Schreibgeheimnisse wie „Es gibt etwas Überraschendes.“, “ Die Menschen reden.“, „Es wird genau erzählt, wie das Tier aussieht“ etc. notiert die Lehrkraft auf Papierstreifen zum Sammeln an der „Geschichtenwand“ im Klassenzimmer.
- Fertige Texte werden an der Geschichtenwand ausgestellt und später in einer Geschichtenmappe gesammelt. So werden Fortschritte sichtbar. Die Kinder sind stolz auf das Geschaffene und werden motiviert, weitere Geschichten zu schreiben.
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